Der Arbeitsunfall

Arbeitsunfall und Berufskrankheit

Die Unfallversicherung deckt die Risiken des Arbeitsunfalls ab, d.h. Unfälle, die durch die Ausübung der Arbeit oder am Arbeitsplatz passieren, aber auch den Unfall auf dem Arbeitsweg sowie die Berufskrankheit.

Im Falle des Arbeitsunfalls oder der Berufskrankheit kann der Arbeitnehmer, insofern bestimmte Formalitäten respektiert werden, Natural- und Geldleistungen erhalten.

Die Meldung des Arbeitsunfalls

Bei einem Arbeitsunfall oder bei einem Unfall auf dem Arbeitsweg muss der Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber umgehend informieren. Dieser muss anschließend eine Arbeitsunfallerklärung ausfüllen. Entsprechende Vordrucke erhält er bei der „Association d’Assurance contre les Accidents (AAA)“. Für die Berufskrankheiten besteht eine spezielles Formular.

Die Rückerstattung der an den Unfall gebundenen Pflegeleistungen

Wurde der Unfall von der AAA anerkannt, erhält der Arbeitnehmer ein „E123“-Formular, das er bei seiner deutschen Krankenkasse abgibt.

Dadurch erhält er für die in Deutschland erbrachten Pflegeleistungen eine Rückerstattung zu 100 % für alle Kosten, die durch den Arbeitsunfall oder die Berufskrankheit entstehen (100 % des amtlichen Tarifs).

Alle diese Leistungen werden gewährt während der Periode, die durch das „E123“ abgedeckt ist, ohne finanzielle Beteiligung seitens des Arbeitnehmers und dies innerhalb der Grenzen der amtlichen Tarife.

Zeitweilige Arbeitsunfähigkeit infolge des Arbeitsunfalls

Das Opfer eines Arbeitsunfalls (oder einer Berufskrankheit) hat im Falle der Arbeitsunfähigkeit Anrecht auf Geldleistungen. Diese werden aufgrund des Bruttolohnes berechnet, den der Versicherte während der Arbeitsunfähigkeitsperiode verdient hätte.

Um diese Geldleistungen in Anspruch nehmen zu können, muss der Arbeitnehmer seiner Krankenkasse und seinem Arbeitgeber seine Arbeitsunfähigkeitsbestätigung vor dem Ende des 3. Tages der Arbeitsunfähigkeit zukommen lassen. Die ersten 13 Wochen gehen zu Lasten des Arbeitgebers. Danach bezahlt die Krankenkasse.

Achtung: Das Anrecht auf Geldleistungen ist auf eine Gesamtdauer von 52 Wochen innerhalb einer Referenzperiode von 104 Wochen begrenzt. Alle Unfähigkeitsperioden (Krankheit, Unfall,…) werden addiert.

Dauerhafte Arbeitsunfähigkeit infolge eines Arbeitsunfalls

Totale Unfähigkeit

Wenn die totale Arbeitsunfähigkeit über die Periode der 52 Wochen hinaus bestehen bleibt, hat der Arbeitnehmer Anrecht auf eine Unfallrente. Diese ist mittels eines speziellen Formulars zu beantragen. Sie kann durch eine Entscheidung des AAA (nach Gutachten der Arbeitsmedizin) gewährt, abgelehnt oder entzogen werden. Der Versicherte kann Einspruch erheben.

Die Rente beträgt 85,6 % des steuerbaren Berufseinkommens des Versicherten im Laufe der 12 Monate vor dem Eintritt des Arbeitsunfalls oder der Berufskrankheit.

Teilunfähigkeit

In der großen Mehrheit der Fälle kann der Arbeitnehmer nach einer mehr oder weniger langen Unfähigkeitsperiode wieder eine berufliche Tätigkeit aufnehmen. Hinterlässt der Unfall aber definitive Schäden, so kann der Versicherte eine Teilunfallsrente beanspruchen.

Diese Teilunfallsrente entspricht einem Prozentsatz der vollständigen Rente. Dieser Prozentsatz kann zwischen 1 und 99 % betragen und wird von der Arbeitsmedizin in Funktion der Schwere der Verletzungen  festgelegt und im Allgemeinen dann, wenn sich der Zustand des Versicherten nicht mehr verändert.

Auch in diesem Falle muss der Versicherte einen Antrag auf diese Teilrente stellen. Sollte sich der Gesundheitszustand verschlechtern (um mindestens 10 %), können diese Renten überprüft werden.

Achtung: Die Renten, die einer Unfähigkeitsrate von weniger als 10 % entsprechen, werden automatisch durch eine einmalige Zahlung eines in Funktion des Betrages der Rente, des Alters und des Geschlechts des Versicherten festgelegten Kapitals ausgezahlt.

Beträgt die Unfähigkeitsrate zwischen 10 und 20 %  kann die Rente auf Antrag des Versicherten ausgezahlt werden.

Die Renten aufgrund einer Unfähigkeitsrate zwischen 20 und 40 % können nur mit dem Einverständnis des leitenden Ausschusses der AAA gewährt werden, dem der Versicherte die Nutzung des Kapitals, das er erhalten wird, rechtfertigt.

Entschädigung von Sachschäden in Folge eines Arbeits- oder Wegeunfalls

Mit dem in Kraft treten des ersten Teils der Reform der Unfallversicherung am 1. Juni 2010 sind unter anderem die Bestimmungen über die Entschädigung von Sachschäden in Folge eines Arbeits- oder Wegeunfalls geändert worden. Hierbei wurde der ehemalige Artikel 110 des Sozialgesetzbuchs durch den neuen Artikel 99 ersetzt, welcher folgende Hauptänderungen mit sich bringt :

  • Die Bedingung einer Körperverletzung, um Anspruch auf eine Entschädigung des Sachschadens des im Unfall verwickelten Fahrzeugs zu haben, fällt weg. Das Unfallanzeigeformular wurde in diesem Sinne abgeändert und enthält jetzt eine neue Rubrik „Keine Verletzung, nur Fahrzeugschaden“ ;
  • Hinweise über den Sachschaden des Versicherten braucht der Arbeitgeber auf der Unfallanzeige keine mehr anzugeben ;
  • Ab dem 1. Juni 2010 muss der Versicherte diese Angaben auf dem betreffenden Antragsformular selbst eintragen um Anspruch auf eine Entschädigung des Sachschadens zu haben. Es bestehen zwei verschiedene Antragsformulare, je nachdem um welche Art von Sachschaden es sich handelt, d.h. :
  • Unter Androhung Rechtsverlusts, muss dieser Antrag binnen einer Frist von einem Jahr ab dem Unfalldatum bei der AAA eingehen ;
  • Die Höchstentschädigung des Fahrzeugschadens wurde auf 5- oder 7-mal den sozialen Mindestlohn erhöht, je nachdem ob es sich um einen Wegeunfall (8.413,79 Euro) oder einen Arbeitsunfall handelt (11.779,30 Euro) ;
  • Im Gegenzug wurde eine Selbstbeteiligung von 2/3 des sozialen Mindestlohns (1.121,84 Euro) eingeführt.

(Quelle www.aaa.lu)